
Die Metropole São Paulo 18. Juli 2024
- Milena da Silva Reis

- 24. Juli 2024
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Juli 2024
Da wir mitten im Winter sind, finden nur am Wochenende Stadtführungen statt. Ausser... natürlich gebe ich nie schnell auf, und so fand ich einen privaten Stadtguide.
Sr. Ernani, ein japanischer Secondo, holte mich im Hotel ab, weil das leider im alten Stadtzentrum mitten in den sem-tetos, den Obdachlosen, die einem schon vor dem Hoteleingang alles entreissen, was sichtbar ist. Also Bauchgurt an, CPF und Presseausweis rein, 100 reais ins Geheimfach der Haargummis, Bluse drüber und los.
CPF: Der Cadastro de Pessoas Físicas (CPF), ist eine Steuernummer für jeden Bürger, die man beim brasilianischen Finanzamt beantragen muss, dem Amt, welches alle Steuerzahler Brasiliens registriert und die man für alles braucht, eher als die ID. |
Die Tour war für etwa 4 Stunden vorgesehen und dauerte etwa sieben. Die Geschichte ist sehr spannend, die Orte auch! Da man alles dazu im Netz findet, hier nur kurz die Stationen.
Bahnhof São Bento, wo der ganze Kaffee her- und weiter nach Santos gebracht wurde, der immer noch in Betrieb ist. Wo wir direkt vor der allseits präsenten Polizei hielten, damit wir das Handy rausholen konnten....
Bairro Liberdade, wo am meisten sem-tetos sind, extrem gefährlich für Pick-pockets. Dort sind in allen verlassenen Restaurants Gassenküchen eingerichtet, und es hat extreme Polizeipräsenz.
Wir fanden direkt vor der Kathedrale an der Praça da Sé einen Parkplatz, nachdem der Guide schon aufgeben wollte, da musste ich den Jõao erklären.
Es war gerade Messe, und danach besuchten wir vor der Kathedrale den "ground zero" von São Paulo, den Stein Marco Zero von 1934, der das geografische und historische Zentrum markiert. Und auch das Pátio do Colégio, wo alles begann. Dann das alte Finanzzentrum, wo an der Börse der Kaffeepreis gehandelt wurde.
Ein paar Dinge über die Innenstadt haben mich fasziniert, so etwa, dass die Regierung fast alle Werbe- und Verkehrstafeln für eine saubere Innenstadt entfernen liess, denn die waren ständigem Vandalismus ausgesetzt. Gleichzeitig, um den Sprayereien entgegenzuwirken, liess sie Künstler, wie andernorts auch, die Wände bemalen. Nur dass hier halt schon ein paar Flächen mehr zu Verfügung stehen. Leider ist es zu gefährlich, Fotos auf der Strasse zu machen, so musste ich vom Auto aus fotografieren. Vom São Bento zur Liberdade war früher das eigentliche Wohn- Flanier- und Geschäftszentrum, sehr vom Pariser Chic inspiriert, wie auch das Opernhaus. Die Hochhäuser waren damals die höchsten und teuersten. Auf der Strasse, die Champs Élysées von SP genannt wurde, flanierten die Reichen und Schönen. Heute sind viele dieser damaligen Luxushäuser leer, heruntergekommen oder von Obdachlosen besetzt. Der Grund dafür ist meistens, dass die Erbengemeinschaften in Streitereien verwickelt sind und die Steuern und Versicherungen nicht mehr bezahlen. Das ehemalige Zentrum der Finanzwelt wurde woanders errichtet, bei den Jardins, wo es auch schon wieder neue Pläne gibt, es zu verlegen.
Nach der Liberdade fuhren wir zur berühmten Rua Paulista. wo alle Demos, Umzüge, die Pride, politischen Umzüge, Rennen etc. stattfinden. Wir besichtigten die Casa das Flores, ein Zeitzeuge der imperialzeitlichen Villen. Die Besitzer hatten einen Erbenstreit, wollten aber die Villa nicht abreissen lassen. Deshalb ging sie an die Municipipalidade über und dient heute als Museum - verwaltet im modernen Gebäude gleich dahinter, 30mal höher und bläulich die Villa spiegelnd, die immer noch die schönen Rosen mit angeschriebenen Namen im Garten behalten hat.
Etwas wunderschönes, mitten in der Metropole, sind die knallrosa Ipê, Bäume der Gattung Handroanthus, mit riesiegen Blüten. Es gibt sie in ganz vielen Farben, aber in São Paulo dominiert rosa:
Im Hintergrund sieht man bereits modernere Häuser. In den Jardins ist die Metropole am meisten gewachsen - vor allem nach oben. Dort ist jetzt das aktuelle Finanzzentrum. Man fährt beim Wahrzeichen, dem metallenen Wal, gleich zwischen dem Sitz von Google und JP Morgan hindurch. Die beiden sind nur imposant, wenn man es weiss. Optisch imposant sind die Wolkenkratzer, jeder einzelne mit einem Helioporto ausgestattet. Man geht nicht, man fährt nicht, man fliegt dort. Direkt, wie in Mexiko City, wenn man superreich ist^. Und in diesem Bairro sind das alle, denn eine Wohnung dort kostet mehr als die teuersten am Zürcher Paradeplatz.































































































































































































































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