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Salvador de Bahia und Abschied 5.-8. Oktober 2024

  • Autorenbild: Milena da Silva Reis
    Milena da Silva Reis
  • 11. Okt. 2024
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 12. Okt. 2024

Salvador ist eine eigene Welt. Mit schlechtem Ruf wegen der hohen Kriminalität, der vielen Armut, der recht aufsässigen Bettler. Das mittlere Einkommen hier beträgt R$ 1300.00, das entspricht etwa 600 Schweizer Franken. Das Klima tropisch-feucht,

mit einer für Brasilien alten Geschichte, einem eigenen Stolz: die Millionenstadt ist DER Schmelztiegel vieler Kulturen, Salvador war die erste Hauptstadt Brasiliens. Sie hat unzählige Kirchen, die Portugiesen haben sie oben auf den Hügeln positioniert, um ihre Macht zu demonstrieren. Sie haben auch zahlenmässig die meisten Sklaven aus Afrika importiert, deren Nachkommen, zusammen mit den Abkömmlingen der indigenen Bevölkerung, die grösste Gemeinschaft bildet. Gemeinschaft in allen Bereichen: allgegenwärtig die afrikanische Kultur, mit dem Candomblé, der afroamerikanischen Tradition und der ganz eigenen Musik, dem Axé, mit dem Carnaval. Dann die stolzen Baianas, welche eine eigene Ausbildung für die Strassenküchen haben und eine wichtige Rolle in der Kultur von Bahia spielen, den Orixá, den Heiligen, die einen finden und durchs ganze Leben begleiten, denen man mit den bunten Bändern in der entsprechenden Farbe auch Wünsche aufgeben kann:

"Eine der bekanntesten Traditionen der Festa do Senhor ist, einer anderen Person ein so genanntes fita, ein farbiges Stoffbändchen, zu schenken. Der Tradition nach muss es am Handgelenk angebracht werden. Jede fita steht für eine Bitte, mit der man sich im Stillen an den Senhor wendet. Normalerweise werden die fitas mit drei Knoten am Handgelenk befestigt und laut Tradition gehen die Wünsche erst in Erfüllung, wenn sich das Stoffband von alleine vom Handgelenk löst."

Salvador ist sehr gegensätzlich. Es hat reiche, touristische Gegenden, solche, wo Prominente und Reiche wohnen (natürlich in der Nähe zum schönsten Stadtstrand, beim Porto und Farol), und Quartieren wie dem Pelourinho, welche von touristischen Ballungszentren übergangslos in Comunidades übergehen, die man auch als Brasilianerin, wenn nicht ortsansässig, besser nicht betritt (und auch nicht möchte, die Drogen regieren hier unübersehbar).

Zum Schluss der Reise bin ich also an einem Ort, der fast alles beinhaltet, was Brasilien ausmacht: indigene Bevölkerung, die früher ermordet und vertrieben wurde, mit hartnäckigen Legenden über ihre primitive Lebensart bis hin zu Kannibalismus, später deren Zwangsintegrierung. Sklavenimporte aus Afrika für die reichen Kolonialherren, welche für sie die Feld-, Haus- und Bauarbeiten machen mussten, bis hin zum Bau aller Kirchen. Auf dem Hauptplatz mit der goldschweren Kirche und Konvent des São Francisco stehen sich vier Kirchen gegenüber.

Die Missionare wollten auch auf dem Hügel der anderen Seite der Bahia ihre Kirche haben, die afrikanischen Sklaven mussten sie erbauen, durften sie aber nicht betreten. Da dort mit der sich ausbreitete Stadt aber vor allem diese Leute wohnten, gab die Kirche schliesslich die Erlaubnis, dass diese einmal im Jahr, am zweiten Donnerstag im Januar nach dem Dia dos Reis (6. Januar), bis zur Treppe kommen durften, eintreten durften sie aber nicht. Die Kirchenherren hatten nicht damit gerechnet, was daraus werden würde: ein Riesenfest, jedes Jahr bis heute aus Protest und eigener, stolzer, sich aufeinander Feierlaune mit Riesenschau der Baianas, welche die Kirchentreppen putzen. Apropos auflehnen: die Dunkelhäutigen durften auch nicht zu ihren Orixá beten. Kurzerhand ordneten sie diese den katholischen Heiligen zu und verehrten fortan vordergründig je ihre drei Heiligen an, entsprechend ihren Orixás. Sie fanden, wie die Untergeben auf der ganzen Welt, auch noch andere Methoden des passiven, aber nachhaltigen Widerstands, teilweise wohl zusammen mit einem Teil der Geistlichen, die in der Kirche des São Francisco bis heute sichtbar sind, wie die Fruchtbarkeits- und Reproduktionssymbole, die Initialen, die offiziell den damaligen reichen Familien zugeschrieben wurden, die aber eher zu den katholischen Heiligen und damit den Orixás passen. Dies und noch viel mehr hat mir eine weitere Seelenschwester, wie wir sagten, erzählt. Beatríz ist von Salvador, durch und durch, und sie ist hochintelligent und hinterfragt die Geschichte, sehr beeindruckend. Sie bat schon mal die Kirche um Erklärungen der Symbole, glaubt diese aber nicht und versucht, den Spuren aus der Sicht der Bahaianer nachzugehen. Beatríz beschreibt die Menschen von Salvador und ihre Art so treffend, dass ich dies weitergeben möchte: zuerst wird man Freunde, dann löst man Probleme, das ist effizient. Axé eben.

Nun noch ein kleiner chronologischer Bericht:

Im Barrio St. Antonio waren wir im sehr einfachen Hotel Cruz do Pascoal untergebracht, der Lift mit holpert und rumpelt, so dass man jedesmal dankbar ist, anzukommen; die Hitze drückend, die Lage gut, das ursprüngliche Herrenhaus wunderschön mit dem alten, grosszügigen Eingang und der Terrasse beim Dach-Früststücksraum mit Sicht auf die kolonialistisch-bunten Häuser, die Bahia mit dem Hafen und auf die nicht-touristische Seite des Pelourinho.

Luís und ich kommen am Samstag gerade richtig zum Sonnenuntergang auf dem Platz oben in unserem Quartier gerade bei den berühmten Comercio und Pelourinho.

Wir essen im afrikanischen Terrasenrestaurant eine Moqueca. Diese typisch brasilianische Speise stammt aus der afrikanischen Kultur.


Das Café da Manhâ ist auch hier ein Paradies für Luís. Leider hat es nichts ohne Gluten, sagen die beiden Frauen, die alles liebevoll zubereitet haben. Nichts heisst auch hier kein Brot und keine Bolos, was sich natürlich Montag und Dienstag ändert.

Und nichts zum Frühstück heisst, frisch zubereitete Eier nach Wunsch (mexidos com orégano), mindestens vier Arten Früchte, gebratene Bananen, Käse und Schinken, frische gemietet Fruchtsäfte und selbst hergestellte Geleias. Die sind dermassen lecker und ich lobe sie, und es kommt, wie es kommen muss: Am letzten Tag zur Abreise bekomme ich nochmals je eine Bolo de Coco und de Arroz, zusammen mit etwa anderthalb Kilo Geleia.


Die beiden Frauen und Ivan, der Sohn der einen und Bruder der Besitzerin und ein zweiter Moço sind übrigens 24 Stunden nur für Luís und mich da, wie auch die beiden Frauen fürs Frühstück. Wir sind die einzigen Gäste. Es gibt nur zwei Metallgitter- Kunstschmiedetüren.











 
 
 

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