Ein Reisetag 23. September 2024
- Milena da Silva Reis

- 26. Sept. 2024
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Sept. 2024
Es geht um sieben Uhr los, nachdem uns der Besitzer netterweise selbst ein Café da manhã zubereitet hatte, weil sein Personal, das schon mal meine ganze Bestellung vergessen und nur Luís bedient hatte, einfach nicht aufgetaucht war.
Der Fahrer hatte am falschen Ort gewartet, aber ich fand ihn schnell, Jeri ist klein. Heute 8000, früher 800 Einwohner stark, ich habe doch gute Erinnerungen.
Mit einem starken 4x4 geht's über Holper-Sandpisten während einer Stunde.
In Préa hält Mario beim ersten Ponto und füllt die Pneu von 1,8 auf 3,6 bar.
Im Sand hilft nicht nur 4x4, sondern auch viel Reibungsfläche. Wenn beides fehlt, endet das fatal, wie wir unterwegs gesehen haben: ein Kleinwagen war tief im Sand eingegraben.
Die Strassen sind dank SUV erträglich, und sie sind viel besser als in Maranhão, das findet auch Mario aus Fortaleza. Er erzählt uns, dass es von dort aus auch schöne Dünenausflüge gebe. Wir freuen uns, dass wir wieder mal in der "Zivilisation " sind.
Der einzige Chichistop in den fünf Stunden ist im Nirgendwo, es ist nicht mal ein Ponto, aber sauber und der Kaffee ist gut. Um die 12 sind wir am Flughafen in Fortaleza, die Abkürzung, die Mario gewählt hat, gibt mir einen kleinen Eindruck der Stadt hinter der touristischen Hochhausfront.
Und, weil er viel schaltet, die Erinnerung daran, dass ich darüber berichten wollte, dass hier etwa 80% der Männer und etwas weniger Frauen tätowiert sind. Nicht ein kleines Dingsbums, sondern grossflächig. Es gehört hier zum Dazugehören, dass man sich stechen lässt.
Fliegen ist für mich inzwischen Routine, wir haben einen kleinen Jet, der uns in einer Stunde nach Natal bringt. Das Verrückte: aus dem Fenstersitz 19a betrachte ich den tiefblauen Atlantik und sehe weisse Flecken, die immer wieder auftauchen und verschwinden. Aus 9000m Höhe dauert es, bis ich mit meinem kleinen Canon PowerShot im Zoom erkenne, was es ist: Dutzende und Dutzende von Walen, Familien, spielende, schnaufende, springende! Man sieht es kaum auf den Fotos, meine Augen haben es gesehen. Und es gibt beim Fliegen immer viel zu sehen, wenn nicht die Fensterblenden geschlossen sind, was die Brasilianer meist machen und gleich einschlafen.
Wir sind bisher in fünf Stunden 300km gefahren, in einer Stunde 500km geflogen und in Natal in Rio Grande do Sul will es uns nicht .....laufen, klappen, helfen, was auch immer. Bis wir die kleine Sammeltafel des Autovermieters finden, haben wir zweimal den zum Glück kleinen Flughafen durchlaufen. Im Büro will man alles, was ich nicht habe, und das Telefon findet kein Signal. Natürlich gebe ich nicht auf, in der Hitze von halb drei Uhr Nachmittags dauert es aber bis halb fünf, bis ich die ganze Police der Zusatzversicherung aus der Schweiz, alle Angaben und Formulare so weit habe, dass ich den Schlüssel bekomme. Die moça hatte keine Lust zu arbeiten oder zu helfen. Ein anderer Kunde zeigte mir nach fast zwei Stunden, dass es einen Wasserspender und einen Kaffee-Thermo gab.
Unser kleiner Renault ist super, aber um halb fünf bleibt wenig Zeit vor dem Einnachten, eine Fahrt durchs Nirgendwo mit Strassen...eben wie auch in Céará nicht anders. Ich schwitze schon bei Tageslicht, als es noch viele urbane Gegenden in der Rush Hour zu meistern gilt. Das Auto hat kein GPS-Navi, zum Glück hat Luís Empfang und lotst mich sicher auf dem Weg.
Ich kämpfe und sage mir Ooooohm, bei jedem moto, das mir auf 10cm auf- oder vorbeifährt, bei jedem Lastwagen oder Bus, der plötzlich einschwenkt, bei jeder Vollbremse, welche der vor mir macht, bei jedem burraco, jeder lombada, die auch hier nicht angezeigt werden. Und als es stockfinster wird, sind wir draussen. Ich halte am nächsten Ort, wo wir keinen Überfall riskieren, bei einem Posto, und wechsle zu meiner guten Brille, die seit Santos in einer schlechten Fassung ust. Zwei Stunden in der Nacht, die zweispurige Schnellstrasse ohne Seitenlinie, ohne Ankündigung von Absätzen oder Erhebungen, die einen abheben lassen. Ich kann nicht nur 90 fahren, da überholt gefährlich jeder Camion. 120 wie die meisten ist mir zu stressig. Ich beobachte, wie einige sicher und jeweils plötzlich abbremsen - dann kommt ein Absatz -und ansonsten schnell fahren. Aha, Einheimische. Ich suche mir immer wieder so einen aus und folge, auch mit 120. Man sieht wirklich nicht mal die Kurven, aber hinter einem Einheimischen, das klappt super. Nach etwa 45 Minuten erwische ich einen, der immer links bleibt und der die Löcher nicht kommen sieht. Aha, keiner von hier. Nur gibt es sonst nichts zur Auswahl, nur einen Laster ohne Licht mit 80. Also folge ich, so sehe ich wenigstens den Strassenrand.
Bald wird er langsamer, noch langsamer...bis 50! Sein Vorhaben ist mir klar, aber ich weigere mich. Er will, dass ich überhole und er besser sieht. Mache ich so lange nicht, bis ein kleines Auto zielsicher kommt, den anderen rechts überholt und ich endlich diesem nachfahren kann. Will der andere aber nicht, drängt mich ab, schneidet den Weg ab...Er ist wohl verärgert. So geht es die letzte Stunde, ich bin pechnass.
Irgendwie komme ich auch durch Bayeur und João Pessõa bis zu unserer Quality Flat, Ankunft etwa um Acht. Ein 4☆Zimmer in Luxus erwartet uns, aber wir haben so Hunger, dass wir nur den Schlüssel abgeben und nach dem nächsten Resti fragen. Ist gleich um die Ecke und sicher zu Fuss.
Irgendwas, das die Hiesigen als schick erachten.
Im Zimmer geht es nach ein paar Ahs und yess direkt...ja, capotei.
...nein, nicht ganz, die Zähne müssen geputzt, ein Wasser getrunken sein. Und, ein Schreck, die Büchse im Aufgabegepäck mit den bisher besten Castanha de Cajú, die ich im BGK als Geschenk für zuhause gekauft habe, ist geöffnet und fast leergegessen, der Deckel weg. Es kann nur jemand an den Flughäfen gewesen sein, der Rezeptionist hier versichert, er habe sofort und persönlich unser Gepäck hochgerechnet in den 4. Stock. So vom Karma her tippe ich auf Natal. Diese Büchse...Ich hatte mich so aufs Geschmatze zuhause gefreut....













































































































































































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