Olinda 27.-30. September 2024
- Milena da Silva Reis

- 28. Sept. 2024
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. Okt. 2024
Ô, que linda!!!! So muss auch der Name der Kolonialstadt entstanden sein, die inzwischen vom Moloch, dem urbanen Recife umzingelt ist. Und ich selbst habe es bisher in den ersten 24 Stunden bestimmt ein Dutzend Mal gesagt...
Aus sehr kleinem Raum hat es viele bunt bemalte Häuser in verschiedenen Stilen, von der Kolonialzeit im 16. Jahrhundert bis zu neueren Häusern, und es hat in Fussdistanz unzählige Kirchen, Kapellen, Klöster, eine Kathedrale..
Aber um hierher zu gelangen....oh mein Gott! Ich gebrauchen diesen Ausdruck sonst nicht, hier ist er angebracht. Der Moço bei der Autovermietung hatte ja gesagt: Deus vai dirigir com você, precisa. Die Strecke von João Pessoa bis nach Olinda ist nur etwa 140km, veranschlagt mit drei Stunden Fahrzeit. Wir sind bei Tageslicht gefahren, damit ich überland nicht dasselbe wie von Natal weg erleben muss, und vor allem, um in den Vororten von Recife nicht im Dunkeln unterwegs sein zu müssen. Nun, die BR, die staatliche Autobahn, ist auch in Paraíba und Pernambuco, deren Staatengrenze wir unterwegs passieren, nicht besser. Dergestalt, dass unser Renault KWID nach einer Stunde ein Warnlicht anzeigt, welches darauf hinweist, dass der Pneudruck abgefallen ist.
Im nächsten Posto nach 20 Kilometern sind die drei Frauen an der Tanksäule gar nicht hilfsbereit. Erst zwei Männer aus dem Verkauf beraten uns nicht nur über den optimalen Druck (35), sondern kalibrieren und und füllen auch gleich auf (hinten links waren noch 18).
Die nächste Stunde ist nur der normale Wahnsinn, dann kommen wir in die urbane Region von Recife. Luís weist mich an, wenn uns jemand anhalten wolle, Gas zu geben und ihn allenfalls zu überfahren. Hier erschiesse man die Leute zuerst, danach wird ausgeraubt.
Natürlich werden wir mehrfach eingeklemmt bei Rot. Ich habe schon in Santos gelernt, immer einen Fluchtweg freizuhalten, aber hier geht das schlicht nicht, weil immer noch ein Camion, sechs Moto oder ein Auto reindrückt. Ich schwitze und schaue niemanden direkt an. Leider haben wir keine getönten Scheiben, und manch einer fragt sich sicher, ob wir zwei Gringos oder zwei Gaúchos sind, so wie wir Blonden auch unterwegs sonst gefragt werden. Natürlich ist auch die Navigation auf drei bis sechs Spuren nich immer ganz einfach, dazu steigt mitten im Feierabendverkehr das Internet von Luís aus - er hat vergessen, das Abo zu bezahlen. Wir fahren durch Quartiere, über die ich gar nicht tiefer nachdenken will, dazu habe ich auch gar keine Zeit.
Später sagen die Donos unserer Pousada dos Quatro Cantos, was, selbst gefahren? Wir gratulieren. Hier fahren sie sehr schlecht und gefährlich. Nun, paarmal sind uns Lastwagen entgegen gekommen, Busse einfach rausgefahren, Motor dazwischen durchgeschlüpft, Autos haben uns abgedrängt, Spurwechsel unmöglich, so ungefähr alles einmal. Der Weg angezeigt mit Tafeln? Fehlanzeige.
Am Zielort ist es so süss, dass ich fast in Tränen ausbreche, obwohl ich keinen Parkplatz finde und später abenteuerlich in einen kleinen Hinterhof hochfahren muss.
Die Pousada ist...oh, que linda!
Hier gibt es einen Willkommensdrink mit Cachaça mit Guiaba und wir gehen kurz erste Eindrücke der 300'000 Stadt sammeln - es ist nämlich hier zweimal jährlich Carnaval, und dieses Wochenende beginnt das zweite Mal, weiter unten mehr dazu. Wir essen beim empfohlenen Italiener, wo die Mangos zur Terrasse hereinwachsen.
Wir haben einen super Balkon auf dem Dach mit Aussicht.
Am nächsten Morgen, Samstag, gehen wir auf Enteckungstour. Das erste Ziel ist die Kirche de Nossa Senhora do Carmo, und bis dort hinunter sehen wir bestimmt vier Kirchen und sprechen mit einigen Einheimischen. Auf dem Platz unten vor und auf dem Hügel eher nicht, dort sind überall sem-tetos. Auch ist die Kirche verschlossen. Aber wir entdecken gerade die Umgebung, als ein junger Mann herauskommt. Er lädt uns ein, er sei im Kloster und er zeige uns die Kirche. Zé oder frei Ricardo sein Name, er ist Carmeliter. Er bietet uns ein Glas Wasser an, zeigt uns die Kirche und erklärt alles ausgiebig, auch die Bolo-Produktion, den Hinterhof mit Hühnerstall und Blumen, und er ist sehr aufgeschlossen und gesprächig, super sympathisch.
Wir versuchten ihn auch heute Sonntag um 17 Uhr zu besuchen, weil ich etwas für die Renovationen geben wollte, aber die Klosterbrüder hatten wohl Gebetsstunde.
Dafür ist CARNAVAL!
Die Bonecos gigantes de Olinda, die man oben sieht, haben sogar ein eigenes kleines Museum, auf dem Hügel bei der Aussichtsterrasse neben der Kathedrale da Sé de Olinda.
Ab jetzt bis zum Carnaval in ganz Brasilien ist es hier jedes Wochenende so.
Man hatte uns gesagt, ab dem Mittag kämen die Quadrinhas, der Cortège. Es ist hier aber so drückend heiss, Stichwort
tropisch-feucht, dass von 12 bis 16 Uhr die Strassen leergefegt sind. Auch wir haben Beamtenmikado gespielt: wer sich zuerst bewegt, hat verloren.
Wir haben das Glück, von der Terrasse der Pousada aus Die Hauptstrsse, und vom Balkon aus die Hauptkreuzung überblicken zu können. Ab 16 Uhr kommen die ersten, wir sind einmal die paar Hauptstrassen entlang gelaufen, und jetzt, zurück auf der Terrasse, geht es ab 18 Uhr erst richtig los.
Luís hatte gestern Geburtstag, wir gingen In wohl einem der ganz guten Restaurants essen, empfohlen von den Leuten der Pousada. Die Oficina do Sabor ist versteckt, einer der vielen Eingänge. Die Terrasse wunderschön, man überblickt ganz Recife, das Essen lecker, und für Luís gibt es einen Geburtstagskuchen mit Gesang.
Und am Sonntag hatte er noch einen zweiten Empfangsdrink von der Pousada für den Geburtstag erfragt, den wir uns genüsslich auf der zweiten Terrasse beim Zusehen des Carnaval einverleibt. Ich fragte, ob ich nicht noch einen weiteren kaufen dürfe. Er ist aus Pitú und frischer Goiaba. Der Angestellte Guido, der schon so nett beim Koffertragen geholfen hatte, kam mit zwei wirklich grossen Drinks zurück. Verschmitzt sagte er, a gente faz presente, das ist geschenkt.
Nach all den grossen und schönen Umzügen liessen wir uns das Essen auf unseren super Balkon bringen. Und danach kommt endlich ein kleiner erlösende Regen. Die letzten Tage waren sehr drückend heiss.
Aber zurück zum Sonntagmorgen. Auf Empfehlung von Zé Ricardo besuchten wir die Messe in der Kirche São Bento, mit gregorianischen Gesängen der dortigen Klosterbrüder. Die Erfahrung war speziell, inklusive eines Flashbacks zu den nicht enden wollenden katholischen Messen meiner Kindheit.
Die Predigt war erzkatholisch. Inklusive Beine Ausreissen Und ewig schmoren im Fegefeuer. Und in der vordersten Reihe ein Ehepaar, sie bei jeder Zeile nickend, die Hände erhoben und geöffnet, immer wieder den Kopf gesenkt und inbrünstig Amen oder all die anderen Litaneien mitsprechend. Er etwas lustlos und offensichtlichaus schlechtem Gewissenund ihr zuliebe mitmachend. Die zwei deutschen Frauen hinter uns, die einzigen Gringos seit Tagen, gaben nach einer Viertelstunde auf. So hatten sie sich die Gesänge nicht vorgestellt, und die Hitze hielten sie auch nicht aus.
Wir sahen vor und nach der Messe und in der Kirche São Bento noch ein paar neue Ansichte von Olinda, nicht minder charmante.
Bleiben der Sonntag Nachmittag und der Montag Morgen.
Nach dem Stillhalten machten wir uns nach Vier auf, noch eine weitere Kirche zu besuchen und gerieten mitten in den Carnaval. So etwas von fröhlich , alle machen mit, nichts von den Professionalisierung Quadrillen und Sambaschulen, die man nur von weitem sieht. Hier ist man mittendrin, bekommt Kusshändchen und sogar Bücklinge der Bonecos Gigantes.
Montag Morgen wollte ich nach einem genüsslichen Frühstück, nochmals einem anregenden Gespräch mit George in der Pousada, wo er mir netterweise den Film der Sangui schickte, die regelmässig kommen,
und Abschied nehmen von der schönenPousada....
nochmals einen Versuch wagen, die Kirche und Kloster do Carmo zu besuchen. Ich hatte ein Insta Profil der Kirche gefunden, eine Nachricht geschickt, aber keine Antwort erhalten. Diesmal hatten wir Glück. Zé Ricardo rief uns schon von oben zu, als ich die Schnur zur Glocke gezogen hatte. Er freute sich über den Besuch und Zustupf, und wir über das Foto mit einem aufgeschlossen Geistlichen, der meines Vaters Namen trägt. Wir bleiben in Kontakt, er hat zwei Insta Profile.





































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































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