Pantanál 29.8.-1.9.2024
- Milena da Silva Reis

- 31. Aug. 2024
- 3 Min. Lesezeit
Der Pantanál - ein Gebiet mit Gegensätzen einmal mehr, mit beeindruckend schönen, beängstigenden, unvergesslichen, Demut gebietenden Erlebnissen.
Beängstigend: Hitze und Trockenheit mit allen Konsequenzen, Feuern zu jeder Tageszeit, kontrollierten kleinen, aber unkontrollierten grossen, mit schwerer heisser Luft, das Atmen nicht einfach.
Beeindruckend schön: Tiere, Pflanzen in einer nie gesehenen Vielfalt, Farbenpracht und Widerstandskraft.
Unvergesslich: die Menschen hier. Die indigene Bevölkerung mit ihren alltäglichen Kämpfen um ihre Rechte, um Arbeit, um Anerkennung, ihre Erde. Mit ihrem Zusammenhalt, ihrer unkomplizierten Einfachheit und ihrem Wissen. Begegnungen mit einigen von ihnen hier werde ich nie vergessen.
Ein Beispiel: die Tischgebete von Dona Maria und Seu João, das von Seu João teils in territorio, ihrer indigenen Sprache. Sein Wissen als Medizinmann und Stammesführer der rund 120 Einwohner der Aldeia Mãe Terra im Stammesgebiet der Cachoeira. Die benções zu meiner Kette aus Samen zum Abschied von Dona Maria. Die Ideenkraft von Dona Dilma, die mit ihrer Familie aus der roten Erde die regionalen Tiere, hübsche Schälchen, Tasen und Vasen töpfert. Das künstlerische Schaffen von Aldemar, dem Enkel von São João, der eindrücklich schöne Bilder aus seiner Welt malt und Schmuck herstellt aus Samen und Federn und Fasern, während seine Tochter die Buchstabenauf einem Blatt ausmalt, ihre Hausaufgaben. Die Nöte, seine Familie ernähren zu müssen, und Hilfsbereitschaft von Denis, seine Tatookunst mit natürlichen Farben. Wie er mir die indianische Sonne auf den Unterarm malte, mit vier Pfeilen zu den vier Himmelsrichtungen. Die Übernachtung und der Einblick ins Leben in Gemeinschaft mit den Cachoeiros in den Hütten von Wagner und seinen Leuten. Er, der Brücken baut zu der indigenenBevölkerung, selbst innovative Ideen ausprobiert, wie seine Regentonne aus leeren Bierflaschen und Lehm mit Abflussystem zum Planschen und zur Bewässerung, und andere mehr.
Die Indígenos:
Raquel hat mich in diese Welt mitgenommen, Denis war unser Kontakt und Führer zu den Indígenos. Nach dem Abbiegen von der Nationalstrasse wäre man sonst nach 10 Minuten verloren.
Das Leben auf der anschliessend spontan für zwei Tage gebuchten fazenda hebt sich deutlich ab von dem in den indigenen Aldeias. Mit guter Infrastruktur, abgeholzt endlosen Steppen auf den Hügeln für die boi, eine Rinderart der Nelore, den Zebu-Verwandten, und den Wasser-intensiven Reisfeldern in den endlosen Ebenen unten, auf welchen die Pflanzenschutzmittel, welche in Europa verboten sind, per Flugzeug riechbar ausgebracht werden, mit den Pantaneiros, welche die Kuhherden wie in alten Filmen eintreiben, dem klassischen brasilianischen Essen. Mit renaturieren Teilen ihrer Ländereien, weil sie mit den Touristen gutes Geld verdienen. Diese fazenda, auf welcher ich bin, hat 14'000 Hektaren Land. Davon seien sieben Hektaren Naturschutzgebiet, sagt Vinicius, der Fremdenführer. Davon wurden im August 80% verbrannt. Allgemein brannten 80% der Fläche des Pantanál. Die Natur wird sich alles zurückholen, sagte São João.
Wer hier nicht portugiesisch spricht, hat eigene Führer dabei. Da gibt es dann voll durchstrukturierte Tage mit dreimal pro Tag einer gut zweistündigen Safari zu Land und Wasser: um acht die erste, um 19.30 die Nachtsafaris (ja, mit den Stuhl-bereihten hohen Fahrzeugen, nur dass der Jeep unten ein lauter alter Diesler ist), mit Funboat-Fahrten zum Piranha-Fischen und Cavalcadas, Ausritten und alle 4 Stunden einem Essen oder Imbiss. Wenn man einen dieser Passeios auslassen möchte, kommen besorgte Angestellte nachfragen, ob man dafür einen anderen machen möchte. Es ist wunderschön, atemberaubend, wenn man das Touristische abzieht. Mich hat der Zivilisationswechsel umgehauen.
Auf der Farm Leben viele halbzahme Tiere und Vögel, für die Besuchenden wunderschön zu fotografieren.
Erinnern werde ich mich: an die Natur und einige Menschen. Ans Erwachen mit sehr vielen und lauten Vogelstimmen, die ich noch nie gehört habe. An meinen ersten Ausritt nach vielen Jahren. An die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft. An meinen São João, der mir am letzten Abend die Einladung beschert, von hier nach Campo Grande einfach so mitzufahren, so dass mich Raquel nicht die 400km hin und wieder zurück abholen muss. Der mir sogar hier im Pantanál das seltene Glück beschert, nicht nur eine, sondern gleich eine und dann vier Onças pintadas zu sehen, ein Jatobá, Cacique, Bacurau oder Curiango, viele Tuiuiú oder Kaburu, Tatú, Arara und andere Tiere, die so exotisch wie schön sind. Habe ich schon erwähnt, dass in der Nacht Vögel auffliegen, die seitlich zwei Paar Flügel haben, wie Schmetterlinge? Und dass hier die Schmetterlinge oft so gross sind wie Amseln, nur bunt?
Und erinnern werde ich mich an die Konflikte im Pantanál: Mensch - Mensch, Mensch - Natur, Linke - Rechte, Arme -Reiche, Ausbeutung - Beschützen, Rohheit - Paradies. Einige davon sind bei und mit denselben Menschen.











































































































































































































































































































































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