Paraty 9.-12. August 2024
- Milena da Silva Reis

- 10. Aug. 2024
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Aug. 2024
Die Stadt, welche zusammen mit vier Regionen der Umgebung zum UNESCO Weltkulturerbe gehört, ist bei Touristen wie auch bei Brasilianern beliebt - liegt sie doch "so nah" zwischen Rio und São Paolo, ist sicher, fröhlich, mit gemässigtem subtropischen Klima und wunderschönen Badestränden, Inseln, geschützten Meeresbuchten, und historischen Raritäten. So der Caminho de Ouro, die alte Goldstrasse, die Inseln, wo beispielsweise auf einer im Mittelalter die Hunde ausgesetzt wurden, weil man dachte, alle Krankheiten gingen von ihnen aus, oder diejenige, wo schwarze Magie betrieben wurde, oder die erste, die alles für Touristen einrichtete, aber nicht daran gedacht wurde, dass sie die einzige ohne eigene Quelle ist, die Strände (ja, ich war an der Praia da Lula zum ersten Mal im Meer schwimmen, es war zu schön und warm und ruhig), wo einer Vermelha heisst, weil dort alles voller roter Blüten war, einer hatte ein besonders gutes Bauholz...viele Geschichten, auch rund um die Fischerei und Seefahrt, die Entdecker und die Ureinwohner, die Fauna und Flora, und die Vila Boa Vista, wo die Mutter von Thomas Mann zur Welt kam und ihre ersten Lebensjahre verbrachte.

Ich hatte zum ersten Mal in Brasilien Ferien und schlief so tief und lange wie noch nie. Gestärkt vom Café da Manhã, mit einem liebevoll extra gebackenem glutenfreien Bolo, der undefinierbar und leider nicht sehr lecker war, wollte ich mich für die Ausflugsmöglichkeiten in die Bahia erkundigen. Ich hatte gesehen, dass das Wetter dramatisch ändern sollte, und so entschloss ich mich ganz kurzfristig, auf einer Escuna, einem kleinen Schoner, einen fünfstündigen Ausflug zu machen. Hier ist alles etwas komplizierter als bei uns, aber nach einem kleinen Schnellauf in die Agentur und durch die Hobbelsteine der Altstadt schaffte ich es, rechtzeitig zuallerallerhinterst am Landesteg meinen Schoner zu finden.
Der Ausflug war sehr touristisch, sehr brasilianisch, aber es hatte ausser mir zwei Europäer - nun, ein Schweizer und ein Deutscher. Alle schwatzten nach sehr kurzer Aufwärmzeit mit allen, es gab ganz viele Ankerstopps, manchmal auch ungeplante, mit dem Dingy ging's an die Strände, zum Schnorcheln (ohne mich) oder zum Fische Gucken (mit mir). Nach dem zweiten Strand waren auch die letzten schwimmen, alle nass, feucht, und fröhlich. Für mich gab es zum almoço gekochten Bambus mit viel Gemüse, Farofa und Bananen und Reis. Viele Fregatten (fragatas), Albatrosse (die ganz grossen, der grösste Vogel der Welt, noch grösser als die Kondore (nachzulesen im Netz), Silberreiher, Möwen und kleine Singvögel, viele, die man aus dem Urwald nur hörte, alles Mögliche in, am und über dem Wasser hatte es.
Die Altstadt selbst ist sehr touristisch, erinnert stark an eine Kleinstadt in der Algarve, ausser den seeeehr grossen Pflastersteinen, die es verunmöglichen, zu gehen und gleichzeitig etwas anzusehen. Ich hörte mehrmals, "ein falscher Tritt und futsch"... allerdings ist das Standardschuhwerk der Brasilianer natürlich: Hawaianas. Das der Damen: hohe Absätze. Woran erkennt man Touristen? Genau, am Schuhwerk und den Wanderhosen. Bei mir sind sie sich nicht sicher, da ich oft in Hawaianas und Shorts oder Leggins unterwegs bin und die Sprache inzwischen so spreche, dass mich nur das Alleinsein verrät. Das kann nicht brasilianisch sein. Ich tue einfach so, als ob ich grad zu jemandem nach- oder vorgehe und ich kenne hier so 20 Leute, die immer mal wieder zu mir sitzen in der Stadt.
So richtig los geht es erst am Abend. Da verzaubern die Lichter die weißen Fassaden mit den bunten Rahmen. Und alle stolpern durch die Kopfsteinpflaster, bis sie erschöpft etwas trinken und essen. Die Kirchenmusik macht lautstark Werbung für Jesus, und alle sind fröhlich.





































































































































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