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Rio de Janeiro 19.-23.8.2024

  • Autorenbild: Milena da Silva Reis
    Milena da Silva Reis
  • 20. Aug. 2024
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 24. Aug. 2024

Die Vielseitige. Rio ist pulsierend, atemberaubend, gefährlich, gegensätzlich, wild, gemütlich, eigentlich alles was es gibt auf "kleinem" Raum.

Man fährt durch ganz arme Gegenden ...


(nein, nicht die condomínios, dort ist das Leben geregelt) hinunter, und nach jeder Hügelbarriere und jeder Strandbucht wird es teurer.


Im letzten grossen Bairro vor der Ipanema, an der Praia Tijuca, wohnt Bolsonaro.

An der Ipanema kostet ein Flat mit 2 Zimmern 15 Millionen. An der Copacabana etwa dasselbe in der vordersten Reihe, aber da sind vor allem Hotels und Restaurants.

Ich war nach meiner Erkältung gar nicht dazu gekommen, mich auf Rio einzulesen, mein Fahrer von Conceição bis Rio hatte jedoch zweieinhalb Stunden lang alle Zeit, mir viel mehr zu erzählen, als man in allen Reiseführern und -Blogs erfährt.

Aber der Reihe nach: der Beitrag über die Ilha Grande ist noch gar nicht fertig, und schon geht es weiter....

Die Überfahrt von Abrãao im Flexboat war unspektakulär, heiss, kurz.


Rio ist eine Stadt, die traditioneller ausgerichtet ist als São Paulo. Historisch, ökonomisch und auch politisch. Cariocas sind stolz, sich so zu nennen, Paulistas habe ich das nie erwähnen gehört. Es ist wie mit Zürich und Bern. Rio ist wie Bern, we de wäisch, wan ich mäin.

Die geoklimatische Lage ist einzigartig. Die vielen morros und picos, die hier noch bis etwa 800 Meter gehen, stehen einzeln, in kleinen Gruppen, aber nicht als Gebirge. Sie sehen nur aus wie Hügel und Berge, sind in Wirklichkeit vulkanisch entstandene Archipel und Felsen. Der berühmteste solche Fels ist der Pão de Azucar mit seinen rund 700 Metern. Warum Rio de Janeiro so heisst, obwohl es keinen Fluss gibt, ist bekannt. Für Eilige: die portugiesischen Eroberer glaubten, als sie sich der engen Buchtöffnung näherten, es sei eine Flussmündung, Rio, weil es vom Meer aus so aussieht, und es war im Januar 1502, als Gaspar de Lemos diesen Logbucheintrag machte, Rio de Janeiro.

Nun kann es innerhalb von paar Kilometern ganz unterschiedliche Wetterlagen geben. Im südlichen Teil, wo alle Fabriken wie Michelin Reifenproduktion, Bananen- oder Zucker-Verarbeiter angesiedelt sind und abertausende Arbeitende täglich hin und herpendeln, bleibt der Wind an einer halbgeschlossenen Hügelgruppe hängen, dreht, wenn überhaupt, nur im Kreis, und dort werden die jährlichen Hitzrekorde gemessen. Letztes Jahr waren das 59!!!!! Grad.

Dieses Bild mit Dutzenden Bussen und Fussgängerbrücken zieht sich über viele Kilometer hin.

Dann kommt gleich nach der, laut Eliton, dem Fahrer, mittelteuren Gegend die ganze Anlage der olympischen Spiele mit Dutzenden Stadions und Hallen und Messegeländen. Sie liegen zum Glück nicht brach, sondern werden für Eventualitäten, Konzerte und Sportveranstaltungen, Vereine und Schulen be- und auch rege weitergenutzt. Die Fläche entspricht einer mittleren Stadt:


Was ich noch über Rio erfahren habe...

Das traditionelle und immer noch teuerste Hotel, das Sheraton, liegt mit schönster Aussicht auf die Bucht gleich unten am Hügel mit noch besserer Aussicht. Dort liegt die berühmteste und grösste Favela Südamerikas, Rocinha, sogar mit Eintrag auf Google Maps.

Da hinein ging ich mit David, meinem privaten guia, den ich über meine neue Freundin Carla in Santos vermittelt bekommen habe.

Es war das verrückteste, aufschlussreichste, angseinflössendste, wunderbar tollste Erlebnis in Sachen Reisen bisher; mehr dazu unten.


Der erste Abend war: ein kurzer Spaziergang ALLEINE an der Copacabana, ein coco gelado in einem Café, einkaufen, dann auf dem Hoteldach und im Zimmer gemütlich ausruhen, als es finster wurde.


Der zweite Tag mit allen Klassikern.... wunderbar, eindrücklich, macht Lust auf mehr! Da ging es auf eine coole Tour in einer 6er Gruppe mit einem Guia, Alex, und dem Fahrer.

Wir besuchten den Cristo Redentor, die portugiesisch-kolonialistische Vorstadt der Reichen am Hügel, Santa Teresina, die Escadaria Selarón, entstanden aus dessen tragischer Liebesgeschichte, und den Pão de Azucar im Sonnenuntergang. Sagt ja nicht pao, das ist ein hartes Holz oder eine Latte, mit derselben Bedeutung wie auf Deutsch.

Der Guia (ich sage nicht gerne Führer), ausgerechnet ein Paulista, meinte, der Cristo öffne seine Arme nicht nur als Willkomenszeichen, sondern auch um zu fragen, wer dort unten denn überhaupt arbeiten gehe....

Er ist übrigens hohl und nur die Kapelle begehbar.

Und bei der Rückfahrt in der Floresta Tropical, der in Rio 7% ausmacht, ein Affe, ein Macaco:

Santa Teresa

Escadaria Selarón

Der Zuckerhut, auf den man in zwei kurzen Seilbahnetappen hinaufkommt. Auf dem ersten Felsen der zweite Affe, ein Sternenaffe, Macaco de Estrela.



Der dritte Tag, s. auch insta:

"Agradeço a família da Ju e do César a dejar-me ter uma ideia de como é dentro da favela Rocinha. E ão meu guia David, tão legal o dia de hoje!


Wer im nicht-touristischen Teil der Favela, hier heisst sie wieder so und wird von den Einwohnern nicht mehr als Schimpfwort verstanden, wer hier war, durch Gassen so breit, dass man mit beiden Armen die Hauswände berühren kann, durch ein Labyrinth von Treppen rauf und runter, rechts, links, wieder links, rauf, runter, links, wird demütig. Von der Wucht des Lebens, der Menschen, der Gemeinschaft, einander zu helfen und der Illegalität zu trotzen, sich zu unterstützen ohne den Staat, aber einen für uns unergründlichen Weg zu finden mit dem Staat."


Zuerst: ich hatte Angst, ich gebe es zu. Ich versuchte, mich mit all meinen Strategien vorzubereiten, bis und mit Absage im letzten Moment. David, mein guia, hatte, wie man es hier ausschliesslich macht, per Zap nach meinen Wünschen gefragt. Nun, Jardim Botánico, ein bis zwei Museen (es herrscht 90% Luftfeuchtigkeit, mehr schafft man nicht), Aussichtspunkte, Forte de Copacabana. Oder? Ob ich denn nicht in die Favela wolle? Ich, in meinem Alter, blond, blauäugig? Klar. Gefährlich? Nein. Sicher? Nein. Ganz sicher? Ganz sicher. Kannst es noch sagen.

Um 9 ging's los. Er fuhr zielsicher richtung Ipanema. Und, willst du? Ja, ich habe Schiss, aber ich will. Gut.

Er sprach nicht viel. Gab aber auf alles Antwort. Und erzählte dann schon, später.

César arbeitet mit dem harten Holz das Pau -brasil heisst, daher der Name des Landes. Es verfärbtsich, wenn es mit Sauerstoff in Berührung kommt, aber nur extrem langsam, über Jahre. Man sieht ihn das herzförmige Stück halten, das auf nicht ganz legalem Weg zu ihm gekommen ist.


Ich habe ihm ganz legal kleine Erinnerungen abgekauft, Ju hat sogar ein Kartengerät.


Danach gingst zum gegensätzlichen Ort: in die Ruhe und Frische und Schönheit des wunderschönen Jardin Botánico.



 
 
 

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