
Von Paraty nach Abrãao 12. August 2024
- Milena da Silva Reis

- 14. Aug. 2024
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. Aug. 2024
Um halb neun sollte ich abgeholt werden, die Transportunternehmung habe ich kennengelernt, die ist seriös. Und doch wird mir mulmig, sonst habe ich am Tag vorher jeweils ein Bestätigungs-Zap bekommen. Ich frage nach und erhalte die beruhigende Nachricht, dass es klappe.
Zum Frühstück nehme ich zwei Tapiocas, genauer tapioca molhado, mit moçarela und peito de perú, nebst den obligaten Papaya, die man hier immer nimmt, zusammen mit den leckeren Kernen übrigens, und anderen Früchten. So bin ich gestärkt für die kurze Reise.
Es wird dann doch neun, aber das ist hier voll pünktlich. Im Kleinbus geht es der Küste entlang, das heisst, kurvig und rauf und runter, in gewohntem Räubertempo. Das bekommt nicht allen; genau vor dem AKW müssen wir anhalten, der ganze Bus stinkt fortan nach Erbrochenem.
Alle nehmen das locker, das Kind wird vorne angeschnallt, und weiter geht's. Ja, AKW hat es in Brasilien:

Nachzulesen auf dieser offiziellen Seite.
Da wird also in Brasilien mehr als die Hälfte der nuklearen Energie weltweit produziert, an einem der schönsten Orte.
Mensch erschrickt schon ein wenig beim Anblick durch den Wald auf eine malerische Szenerie der Costa Verde mit Buchten und Inseln, alles in den Farben grün, blau, beige - mittendrin die unverkennbare Rundkuppel in der hässlichen Anlage. Kühlturm hat es keinen, hier ist viel Wasser.
Die Leute sprechen nicht darüber, posten höchstens Bilder von den malerischen Buchten, die unverständlicherweise gesperrt seien. Umso erstaunlicher, dass 34km entfernt die Stromversorgung regelmässig ausfällt.
Angra dos Reis, ja, wie mein Name von rex, regis abgeleitet, im Plural sind die heiligen drei Könige gemeint, ist am Hafen hässlich. Die Statuen der drei Könige und die bunten Schaluppen vermögen diesen Eindruck nicht wesentlich aufzubessern.
Spannend finde ich, wie die Kleinboote gelagert werden: platzsparend im Tablar mit Lift.
Nach langem Warten die Überfahrt im Flexboat. Tönt gut, ist aber mehr als abenteuerlich! Ein alter Holzrumpf, statt Reling ein Gummischlauch ringsherum, mit einem Aufbau von Metallstangen und Plastikverdeck, sehr stark motorisiert. Sehr eng bestuhlt, 100 (!) Leute werden hineingezwängt, samt Koffern.
Jetzt weiss ich, wie sich Boatpeople fühlen. Der Kapitän gibt Vollgas. Dass es stürmt und sehr hohe Wellen hat, ist ihm wurscht. Wir werden alle nass. Aber es hat auch etwas von den Bananaboats, man wartet auf die nächste Welle und es quietscht.
Auf der Ilha Grande ist man in eine andere Welt katapultiert.
Keine Autos, kein Asphalt, nur kleine Hütten.
In so einer, die ganz zuhinterst am Hügel klebt, ist meine Bleibe für eine Woche. Sehr einfach, sehr klein, aber es hat das Wichtigste.



















































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